ESG (Environmental, Social, Governance)

ESG steht fĂŒr Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und UnternehmensfĂŒhrung (Governance). Mit ESG-Kriterien werden nachhaltige Finanzen bewertet 👉 Zur Definition

ESG hat in den letzten Jahren in der Finanzwelt (vor allem in Bezug auf nachhaltige Finanzen) an Bedeutung gewonnen und sich auf die drei Hauptfaktoren Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und UnternehmensfĂŒhrung (Governance).

Unternehmen, Fonds, ETFs und andere Finanzprodukte sollen anhand der Kriterien in den ESG-Kategorien in Bezug auf ihre Nachhaltigkeits- und VerantwortungsbemĂŒhungen bewertet werden.

ESG Kriterien

Umwelt (Environmental)

Dieser Aspekt bezieht sich auf die Auswirkungen einer Organisation auf die Umwelt. Dies kann verschiedene Aspekte beinhalten

  1. Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Nutzung erneuerbarer Energien
  2. Umgang mit Ressourcen und Abfallentsorgung
  3. Schutz der BiodiversitÀt

Soziales (Social)

Der soziale Faktor in der ESG-Betrachtung bezieht sich auf die sozialen Auswirkungen eines Unternehmens auf seine Mitarbeitende, Lieferanten, Kunden, Gemeinschaften und die Gesellschaft im Allgemeinen. Hierzu gehören

  1. Wohlergehen der Mitarbeitenden und Sicherheit am Arbeitsplatz
  2. Förderung der Vielfalt und Inklusion
  3. Engagement fĂŒr soziale Verantwortung und Philanthropie

UnternehmensfĂŒhrung (Governance)

Governance bezieht sich auf die Struktur und Praktiken der UnternehmensfĂŒhrung. Dies umfasst Aspekte wie

  1. Vermeidung von Korruption, Preisabsprachen oder Manipulationen
  2. Transparenz und QualitÀt der Finanz- und GeschÀftsberichterstattung
  3. UnabhÀngigkeit des Aufsichtsrats
  4. VergĂŒtung der GeschĂ€ftsleitung und Bonuszahlungen

ESG-Kriterien werden von Investoren, Finanzinstitutionen und Unternehmen zunehmend als wichtiges Instrument betrachtet, um Nachhaltigkeits- und soziale Verantwortungsaspekte in ihre Investitionsentscheidungen einzubeziehen. Es wird dabei hÀufig zur Vermeidung von Risiko genutzt

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Gut zu wissen: ESG bewertet finanzielles Risiko

Beim Investieren werden ESG-Kriterien nicht (bzw. meistens nicht) aus gutem Willen oder UmweltschutzgrĂŒnden genutzt. Eigentlich werden ESG-Kriterien zur Minimierung des finanziellen Risikos verwendet.

ESG zur Risikominimierung

Unternehmen, die ESG-Faktoren in ihre GeschÀftspraktiken integrieren, können langfristig stabiler und widerstandsfÀhiger sein, da sie besser auf sich Àndernde Umwelt- und soziale Herausforderungen vorbereitet sind.

ESG wird zunehmend als wichtiger Faktor bei der Risikobewertung von Unternehmen und Investitionen verwendet. Die Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien ermöglicht es Investoren, potenzielle Risiken und Chancen genauer zu bewerten, die sich aus den nicht-finanziellen Aspekten des Unternehmens ergeben.

Durch die BerĂŒcksichtigung von ESG-Risiken soll die langfristige Nachhaltigkeit und WiderstandsfĂ€higkeit eines Unternehmens besser einschĂ€tzbar werden. Dies kann dazu beitragen, unentdeckte Risiken zu identifizieren, die in herkömmlichen Finanzanalysen möglicherweise nicht berĂŒcksichtigt wurden.

Vermeidung von Umweltrisiken

ESG-Kriterien berĂŒcksichtigen die Umweltauswirkungen eines Unternehmens, wie beispielsweise den Umgang mit Umweltverschmutzung, den Ressourcenverbrauch und die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Klimawandelrisiken. Unternehmen, die nicht nachhaltige Praktiken anwenden, könnten mit zunehmenden regulatorischen Anforderungen, Haftungsrisiken oder Reputationsverlusten konfrontiert werden.

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Beispiel Environmental von ESG:
Ein Autobauer produziert nur SUVs mit hohen CO₂-Emissionen. Da in vielen LĂ€ndern diese in der Zukunft verboten werden, wird dies den Umsatz des Unternehmens mindern. Das ist ein finanzielles Risiko aus dem Umwelt-Kriterium von ESG.

Vermeidung von Soziale Risiken

Mit dem S aus ESG werden sozialen Aspekte, einschließlich Mitarbeiterrechte, Arbeitsbedingungen, Lieferkettenmanagement und soziales Engagement, betrachtet. Unternehmen, die in diesen Bereichen mangelhaft abschneiden, könnten mit ArbeitskĂ€mpfen, Rechtsstreitigkeiten oder einem negativen öffentlichen Image konfrontiert werden.

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Beispiel Social von ESG:
Ein Unternehmen zahlt sehr wenig Lohn und hat schlechte Arbeitsbedingungen in der Produktionshalle. Es riskiert damit, dass Mitarbeitende streiken und ein schlechtes Image dazu fĂŒhrt, dass die Produkte nicht verkauft werden. Das sind fĂŒr Investor:innen große finanzielle Risiken aus dem Soziales-Kriterium von ESG.

Vermeidung von Governance-Risiken

Die UnternehmensfĂŒhrung hat Auswirkungen auf die Effizienz und IntegritĂ€t eines Unternehmens. Eine schlechte Governance kann zu Fehlentscheidungen, Korruption und einem Mangel an UnabhĂ€ngigkeit fĂŒhren.

Investoren, die Unternehmen mit unzureichender Governance unterstĂŒtzen, könnten mit einer potenziell ineffizienten Kapitalallokation und einer höheren Korruptionsgefahr konfrontiert werden.

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Beispiel Governance von ESG:
Ein großer IT-Konzern speichert unerlaubt private Daten von Nutzenden und GeschĂ€ftspartner:innen und ĂŒbermittelt die Daten zusĂ€tzlich in die USA ohne dies transparent zu machen. Als dies bekannt wird, wird eine hohe Millionenstrafe verhangen. Dies ist ein finanzielles Risiko, welches Investor:innen im Aspekt der UnternehmensfĂŒhrung (Governance) von ESG bewerten.

Bewertung von ESG in der Praxis

Schild im Walt auf dem steht "Take nothing but pictures, leave nothing but footprints."
Der Fußabdruck eines Unternehmens: nicht leicht zu messen

Das klingt alles sehr sinnvoll und zielfĂŒhrend. Aber leider gibt es keine einheitliche Bewertungsmethode fĂŒr ESG.

Verschiedene Organisationen, Ratingagenturen und Investoren können unterschiedliche Kriterien und Gewichtungen verwenden, um die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens zu bewerten. Einige Investor:innen verwenden spezialisierte ESG-Ratingagenturen oder -datenanbieter, wÀhrend andere ihre eigenen internen Bewertungsmodelle entwickeln.

Neben der Gewichtung ist auch die VerfĂŒgbarkeit relevanter Daten nicht immer zu gewĂ€hrleisten. Wenn ein großes Unternehmen beispielsweise viele internationale Zulieferer hat, ist es fast unmöglich auch deren GeschĂ€fte auf ESG-Risiken zu prĂŒfen.

UnabhĂ€ngig von der Methode deutet der wachsende Einsatz von ESG-Kriterien darauf hin, dass die finanzielle Leistung und die Nachhaltigkeitspraktiken eines Unternehmens immer stĂ€rker miteinander verknĂŒpft sind.

HĂ€ufige Fragen zur ESG-Bewertung

Was ist ESG?

ESG steht fĂŒr Environmental, Social, Governance. Es handelt sich um eine Bezeichnung fĂŒr die drei Hauptfaktoren, die verwendet werden, um die Nachhaltigkeits- und VerantwortungsbemĂŒhungen eines Unternehmens oder einer Organisation zu bewerten. Environmental bezieht sich auf die Umwelt, Social auf die sozialen Aspekte und Governance auf die UnternehmensfĂŒhrung.

Warum sind ESG-Kriterien wichtig?

ESG-Kriterien sind wichtig, weil sie nicht-finanzielle Faktoren in die Bewertung von Unternehmen und Investitionen einbeziehen.

Sie ermöglichen es Investor:innen, potenzielle Risiken und Chancen besser zu bewerten, die sich aus ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Aspekten ergeben.

Unternehmen, die ESG-Praktiken berĂŒcksichtigen, können langfristig stabiler und widerstandsfĂ€higer sein.

Welche Umweltaspekte werden bei ESG berĂŒcksichtigt?

Unter das Umwelt-Kriterium (Environmental) fallen alle Auswirkungen, die ein Unternehmen auf die Umwelt hat. Dazu gehören der CO₂-Abdruck eines Unternehmens, dessen Umgang mit Wasser und Abfall sowie die ökologischen Auswirkungen der angebotenen Produkte. DarĂŒber hinaus prĂŒft dieses Kriterium eventuelle AktivitĂ€ten oder BemĂŒhungen des Unternehmens zur Reduktion des CO₂ Fußabdrucks, Wasserverbrauchs oder Abfall.

Welche sozialen Faktoren werden bei ESG untersucht?

Zu den sozialen Kriterien (Social) zĂ€hlen unter anderem der Umgang des Unternehmens mit MitarbeiterInnen, Kund:innen, Lieferant:innen und anderen Personen aus dem sozialen Umfeld des Unternehmens. Dazu gehören auch die BemĂŒhungen und AktivitĂ€ten des Unternehmens hinsichtlich Arbeitssicherheit und Gesundheit der MitarbeiterInnen, Menschenrechten und die allgemeinen Arbeitsbedingen.

Welche Governance-Faktoren werden bei ESG untersucht?

Das Governance-Kriterium prĂŒft die QualitĂ€t und EffektivitĂ€t der UnternehmensfĂŒhrung und ethisches Verhalten des Unternehmens.

Dazu gehören beispielsweise, dass die Rechte, Verantwortlichkeiten und Erwartungen zwischen verschiedenen Stakeholdern bei der FĂŒhrung von Unternehmen klar definiert und eingehalten werden.

Was wird unter Governance im Kontext von ESG verstanden?

Governance im Kontext von ESG bezieht sich auf die QualitĂ€t und EffektivitĂ€t der UnternehmensfĂŒhrung und das ethische Verhalten des Unternehmens. Es geht darum, sicherzustellen, dass die Rechte, Verantwortlichkeiten und Erwartungen zwischen verschiedenen Stakeholdern bei der FĂŒhrung von Unternehmen klar definiert sind. Dies kann dazu beitragen, das Vertrauen der Investoren in das Unternehmen zu stĂ€rken und das Risiko von Fehlverhalten zu minimieren.

Wie werden ESG-Kriterien in die Investmententscheidungen einbezogen?

Investoren können ESG-Kriterien auf verschiedene Weise in ihre Investmententscheidungen einbeziehen. Einige verwenden spezialisierte ESG-Ratingagenturen oder Datenanbieter, andere entwickeln interne Bewertungsmodelle.

Mittlerweile gibt es viele Fonds und ETFs, die nach ESG-Kriterien nachhaltigere Investmentprodukte anbieten möchten, meistens als Best-in-Class-Ansazt.

Welche Vorteile bieten ESG-orientierte Investitionen?

ESG-orientierte Investitionen können langfristige und nachhaltige Renditen fördern. Unternehmen, die sich um ihre Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte kĂŒmmern, können besser fĂŒr die Zukunft gerĂŒstet sein und möglicherweise eine höhere Resilienz gegenĂŒber wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen aufweisen.

Nachhaltige ETFs (meist nach ESG-Kriterien) weisen sogar eine bessere finanzielle Rendite auf.

Wichtig ist auch, dass der ESG-Trend zu einer erhöhten Transparenz und Datengrundlage fĂŒhrt. Auch wenn das Reporting und ESG-Bewertungen nicht perfekt sind, ist es ĂŒberfĂ€llig die Nachhaltigkeitskriterien stĂ€rker in der Finanzbranche zu nutzen.

Investitionen, die ESG-Kriterien berĂŒcksichtigen retten alleine aber nicht die Welt (s. Nachteile von ESG).

Welche Nachteile bieten ESG-orientierte Investitionen?

ESG-orientierte Investitionen können einige Herausforderungen mit sich bringen. Eine davon ist, dass die Umwelt-Aspekte oft ĂŒberbewertet werden, wĂ€hrend die Aspekte Soziales und UnternehmensfĂŒhrung untergeordnete Rollen spielen. Dies kann zu einer verzerrten Wahrnehmung fĂŒhren und manche Firmen unfair bewerten

Ein weiterer Nachteil ist, dass kleinere Unternehmen oft zu kurz kommen, da sie aus KostengrĂŒnden hĂ€ufig nicht in der Lage sind, umfangreiche ESG-Reportings zu erstellen. Da kleinere Unternehmen hĂ€ufig weniger Nachhaltigkeitsinformationen publizieren, erhalten sie von den Rating-Agenturen schlechtere oder gar keine Benotungen. Dadurch sind sie beispielsweise von den Anlagerichtlinien vieler institutioneller Investoren ausgeschlossen.

Abstrakte SĂ€ulendiagramme
MehrdimensionalitÀt: ESG-Kriterien sind nicht einheitlich messbar

Ein weiterer Nachteil von ESG-orientierten Investitionen ist, dass es derzeit keine einheitlichen Standards fĂŒr die Bewertung von ESG-Kriterien gibt. Dies kann dazu fĂŒhren, dass verschiedene Rating-Agenturen unterschiedliche Bewertungen fĂŒr dasselbe Unternehmen abgeben, was es fĂŒr Investoren schwieriger macht, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Es gibt auch Bedenken hinsichtlich der QualitÀt und ZuverlÀssigkeit von ESG-Daten, da Unternehmen nicht immer vollstÀndige oder genaue Informationen bereitstellen.

Wie kann ein Unternehmen das ESG-Rating verbessern?

Kurze Antwort: Ein Unternehmen kann sein ESG-Rating verbessern, indem es Maßnahmen ergreift, um seine Leistung in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien zu verbessern.

Dazu gehören beispielsweise die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und -sicherheit fĂŒr MitarbeiterInnen, die Einhaltung von Menschenrechten und die Verbesserung der UnternehmensfĂŒhrung.

Es ist auch wichtig, dass Unternehmen transparente und genaue Informationen ĂŒber ihre ESG-Leistung bereitstellen, um Investoren und Rating-Agenturen eine fundierte Bewertung zu ermöglichen. Die Verwendung von Data-Science-Methoden kann dazu beitragen, die Genauigkeit und Vergleichbarkeit von ESG-Ratings zu verbessern.

Durch die Verwendung von ESG-Daten fĂŒr die Erstellung von PlĂ€nen, Prognosen, Risikominderung und die allgemeine Strategie können Unternehmen sich selbst und gleichzeitig anderen dienen und dabei den Planeten und die Art, wie GeschĂ€fte betrieben werden, verbessern.

Woher stammen ESG-Daten?

ESG-Daten können von verschiedenen Quellen stammen, einschließlich spezialisierter ESG-Ratingagenturen, Datenanbieter und Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen.

Gibt es eine standardisierte ESG-Bewertungsmethode?

Es gibt keine einheitliche standardisierte ESG-Bewertungsmethode. Verschiedene Organisationen und Investoren verwenden unterschiedliche Kriterien und Gewichtungen, um die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens zu bewerten.

Dies kann zu unterschiedlichen Ergebnissen fĂŒhren und erfordert eine kritische Betrachtung der verwendeten BewertungsansĂ€tze.